50 Jahre Eritrea Hilfswerk

Erster Teil einer Dokumentation

Hilfe zur Selbsthilfe ist unser Programm

2026 ist ein besonderes Jahr für das EHD: Das EHD ist 50 Jahre alt

 

Wenn wir heute auf unsere Arbeit im vergangenen halben Jahrhundert zurückblicken, wollen wir dies mit einem Dank an alle Unterstützer verbinden. Ganz besonders möchten wir jene Männer und Frauen hervorheben, die im Februar 1976 in Marburg den Verein gegründet haben. Sie legten mit der Vereinsgründung die Grundlage dafür, dass für die notleidenden Menschen in Eritrea auch in Deutschland humanitäre Hilfe organisiert werden konnte.

Gefeiert haben EHDler unser Jubiläum während einer Projektreise im März dieses Jahres in Eritrea – zusammen mit Weggefährten aus alten Zeiten und mit unseren Projektpartnern. Auf eine große Veranstaltung haben wir verzichtet – das Fest im Garten der eritreischen Gewerkschaft NCEW war dem Anlass angemessen, und mit geringem finanziellen Budget organisiert.

Ulrich Vollmer, 1. Vorsitzender des EHD, freute sich, zahlreiche Gäste begrüßen zu können. In seiner Ansprache ließ er die Geschichte des EHD Revue passieren. Das Gründungsjahr des EHD, 1976, das war eine Zeit, in der das eritreische Volk unter bitterer Not, politischer Verfolgung und der äthiopischen Besatzung litt. Seit 1961 kämpften eritreische Unabhängigkeitskämpfer gegen die äthiopische Besatzung und kontrollierten ganze Gebiete Eritreas, in denen Menschen Zuflucht vor der Verfolgung durch die äthiopischen Besatzer fanden. Die Gründung des EHD ermöglichte es, Menschen in Flüchtlingslagern innerhalb Eritreas, aber auch im Sudan in enger Zusammenarbeit mit der „Eritrean Relief Association“ (ERA) zu unterstützen.Damals galt unser Einsatz der Linderung der Not in Eritrea – aber auch der Aufklärung der deutschen Öffentlichkeit über Ursachen von Not, Krieg und die politische Situation in dem ostafrikanischen Land.

Befreiungskämpfer
Napalmopfer
Flüchtlinge

Mit der Sammelbüchse unterwegs

In den Jahren 1976 bis 1991 – dem Jahr, als der Befreiungskrieg endete und Eritrea unabhängig wurde – setzten sich insbesondere in Deutschland lebende Flüchtlinge aus Eritrea mit dem EHD gemein-sam für die Unterstützung ihrer Landsleute ein. Immer zur Weih-nachtszeit standen eritreische Männer und Frauen mit der Sammel-büchse und Infoständen des EHD in ganz Deutschland auf den Straßen . Bei Eiseskälte, bei Schnee, bei Regen. Über fünf Millionen Mark erbrachten in diesen Jahren die Sammlungen. Und dieses Geld war von lebenswichtiger Bedeutung für die Versorgung der Menschen, die in Eritrea in Flüchtlingslagern lebten. Die hier lebenden Menschen aus Eritrea waren es auch, die dem EHD zahlreiche Kontakte zu Deutschen vermittelten und so entscheidend zum Aufbau unseres Vereins und des Spenderstamms beigetragen haben. 

Sammelbüchsen des EHD in den 80 er Jahren

Eritrea blieb in den bundesrepublikanischen Medien weitgehend unberücksichtigt. Umfangreiche Berichterstattung über die Lage in Eritrea war in erster Linie der Arbeit unserer damals 30 Ortsgruppen zu verdanken, die in Schulen, Drittweltgruppen, Kirchengemeinden und zu Einladungen interessierter Menschen aus Politik und Gesellschaft gingen. Zusammen mit eritreischen Gruppen wurden Informations-und Kulturveranstaltungen organisiert. Das Eritrea-Info Heft wurde durch die regelmäßig erscheinende Publikation “Rediet” ersetzt.

Von der Hilfe zum Überleben zur Hilfe mit humanitären Projekten

In den ersten Jahren wurde durch das EHD vorwiegend Nahrungsmittelhilfe zum Überleben der vielen Betroffenen von Krieg und Vertreibung und einer langanhaltenden Dürreperiode geleistet.  Mit Spenden für den Kauf von Zugtieren, Ackergeräten und Saatgut unterstützten wir die ersten landwirtschaftlichen Selbsthilfeprogramme der ERA. (Eritrean Relief Association) 

„Hilfe zur Selbsthilfe“, was damals in Deutschland nur ein entwicklungspolitisches Schlagwort war, wurde in den von den Unabhängigkeitskämpfern kontrollierten Gebieten Eritreas bereits praktiziert: In den Bergen des Nordens Eritreas war eine sehr gut versteckte Infrastruktur aufgebaut worden. Fabriken im Untergrund versorgten die Menschen mit dem Allernötigsten: Von der Kinderzusatznahrung über Schuhe bis hin zu Medikamenten, die in einer kleinen pharmazeutischen Fabrik selbst hergestellt wurden. Auch Hospitäler, Schulen und Waisenheime wurden im Untergrund betrieben.

Produktion von Zusatznahrung DMK für Kinder
Herstellung von Sandalen
Tablettenproduktion in der Pharmazie
Hospital im Untergrund
Schule im Versteck
Herstellung von Hygienebinden
Wina School
Technische Schule WINA

Die Unterstützung durch das EHD verlagerte sich mehr und mehr von der Nothilfe hin zu entwicklungspolitischen Projekten – wie z.B. die Ausstattung der technischen Schule Wina nahe Nakfa, in der Mechaniker, Schreiner und Elektriker ausgebildet wurden. Die komplette Ausbildungswerkstatt von Daimler Benz Sindelfingen wurde 1986 als Sachspende über das EHD an Wina geliefert. Verschiedene Jugendverbände initiierten Sachspenden für die Internatsschule “Zero”. 

Internatsschule "ZERO"

1991 Frieden und Unabhängigkeit

 Mit dem Ende des Krieges 1991 stand Eritrea vor der großen Aufgabe, die zerstörte Infrastruktur des Landes wieder aufzubauen. In den Jahren nach Kriegsende hat sich das EHD  neben der Unterstützung der HNO-Klinik und der Kinderklinik in Asmara schwerpunktmäßig mit Projekten im – gemessen an der Umgebung der Hauptstadt Asmara – völlig unterentwickelten ländlichen Raum engagiert. Im westlichen Tiefland wurden Schulen, kleine Gesundheitsstationen und die veterinärmedizinische Versorgung unterstützt. Die Unabhängigkeit Eritreas war auch für uns ein Sieg einer gerechten Sache und die Entwicklung bis 1998 war von großem Enthusiasmus geprägt.

Grenzkonflikt 1998 bis 2000

Wie viele Freunde Eritreas traf auch das EHD der Grenzkrieg zwischen Eritrea und Äthiopien, der 1998 ausbrach, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Zehntausende Menschen auf beiden Seiten verloren ihr Leben, zigtausende Eritreer wurden in ihrem Land durch den Krieg vertrieben, die mühsam aufgebaute Infrastruktur vor allem in den Grenzregionen zu Äthiopien teils völlig zerstört. Mit Hilfe der Bundesregierung (AA) und Partnerorganisationen leisteten wir in diesem Zeitraum schwerpunktmäßig Nothilfe für die Kriegsvertriebenen, vorwiegend Nahrungsmittelhilfe, die von der eritreischen Hilfsorganisation ERREC organisiert wurde.

Mehr Entdecken

Aktuelles aus Eritrea

Eritrea-Hilfe zur Selbsthilfe

Ein Reisebericht von Dr. phil. Henriette Güttinger Erschienen in der Zeitschrift Zeitgeschehen im Fokus Nr.9/28.Mai 2026 Eritrea-Hilfe zur Selbsthilfe.PDF

Weiterlesen »
Aktuelle Spendenaktionen

Deutsche Botschaft spendet Kopfhörer

Auf Empfehlung des EHD hat die Deutsche Botschaft aus ihrem Budget für Projektunterstützung die Computerklasse der Blindenschule in Asmara mit 15 Kopfhörern ausgestattet. Endlich können

Weiterlesen »
Menü

Kopieren der Medien dieser Website wird nicht unterstützt.

You cannot copy media content of this page.