Sanierung der Sewra Elementary School

Projektdokumentation

Hintergrund: Zu der Grundschule in Asmaras Stadtteil Mai Temenay hat das EHD eine langjährige Beziehung. Eine Grundsanierung der Schule wurde bereits vor einigen Jahren von EHD und dem schweizerischen Unterstützungskomitee für Eritrea (SUKE) gemeinsam finanziert. Dabei wurden das Schulgebäude innen saniert und ein neues Lehrergebäude mit sanitären Einrichtungen für die Schulleitung und Lehrer gebaut.

Die 1950 erbaute Schule wird derzeit von 726 Kindern besucht, die in zwei Schichten (vor- und nachmittags) von 22 Lehrern unterrichtet werden.

Im Mai 2018 besuchten SUKE-Präsident Toni Locher, Martin Zimmermann und der Vorsitzende des EHD, Ulrich Vollmer, gemeinsam die Schule. Nach einem herzlichen Empfang zeigten und schilderten uns Schulleitung und Vertreter der Parent Teacher Association (PTA) die Probleme der Schule: Alle (68 Jahre alten!) Holztüren der Klassenzimmer und die Fenster (Holzfenster mit Glas) befanden sich in einem absolut maroden Zustand. Zum größten Teil waren die Fenster mit Brettern provisorisch zugeflickt, Türen ließen sich nicht mehr schließen. Besonders in der kalten Jahreszeit und der Regenzeit zieht es deshalb in den Klassenzimmern, teils dringt auch Wasser in die Klassenzimmer ein. In der Folge, erklärte uns die Schulleiterin Azieb Zerai und Binjam Kifleyessus von der (PTA), seien Erkrankungen wie Erkältungen von Lehrern und Schülern aufgetreten. Durch das über die defekten Fenster eindringende Wasser kommt es in einigen Klassenräumen der Schule bereits zu leichter Schimmelbildung, was die Gesundheit von Schülern und Lehrern beeinträchtigen kann.

Das Projekt:

Mit der dringend nötigen Sanierung der Fenster und Türen war die PTA allerdings finanziell völlig überfordert und bat EHD und das SUKE bei dem Besuch im Mai deshalb um finanzielle Hilfe. Die PTA hatte bereits mehrere Optionen geprüft: Neue Holzfenster und Türen, oder Türen und Fenster mit Aluminiumrahmen waren aufgrund der Materialkosten auf dem lokalen Markt wesentlich teurer als der Bau von Metalltüren und Fenstern. Am günstigsten erwies sich ein Angebot der „Sembel Metal and Woodwork Factory“: Der Kostenvoranschlag lag für 6 Metalltüren und 26 Fenster mit Metallfassung und Gitterschutz bei 350 049,12 Nakfa, umgerechnet also bei 21 600 Euro.

Eigeninitiative stärken

In der Diskussion stellten EHD und SUKE die finanzielle Unterstützung für die Sanierung in Aussicht – allerdings nur dann, wenn die PTA eine angemessene Eigenleistung einbringt und das Projekt mit Eigenarbeit beim Einbau der neuen Türen und Fenstern selbst trägt.

Finanzierung

Nach Absprache mit SUKE wurde dann vereinbart die Kosten je hälftig zu tragen und entsprechende Beschlüsse gefasst. Anfang Oktober 2018 wurde der Betrag auf das Schulkonto überwiesen und von Seiten unseres Projektpartners der „Sembel Metal and Woodwork Factory“ der Auftrag zur Produktion der Türen und Fenster erteilt.

Gründe für die Vergabe des Auftrags an die „Sembel Metal and Woodwork Factory“

Unter Umständen wäre es auch möglich gewesen, Fenster und Türen billiger zu importieren. Von diesem Vorgehen haben wir allerdings abgesehen, weil wir es entwicklungspolitisch für sinnvoller halten lokale Produzenten zu beauftragen um damit auch den lokalen Markt zu stärken. In der Fabrik in Asmara sind 1200 Menschen beschäftigt.

Rolle der Parent Teachers Association (PTA)

Mit ein Grund dafür, dass EHD und SUKE gerne die Sanierung der Schule unterstützt, ist auch das hohe Engagement der Eltern und Lehrer für „ihre“ Schule.

In der PTA haben sich Lehrer und Eltern der Schulkinder zusammengeschlossen, um ihren Teil für ein gutes Lernumfeld der SchülerInnen beizutragen. In der Vergangenheit hat die PTA bereits aus Eigenmitteln ein Toilettengebäude für die Kinder gebaut, Lehrer und Eltern haben bei der vergangenen Grundsanierung und dem Bau des neuen Lehrergebäudes kräftig mit Hand angelegt. Auch im schulischen Alltag bringt sich die PTA ein: Es finden monatliche Meetings statt, bei denen die Schulprobleme besprochen werden. Die PTA ist regelmäßig aktiv, um den Schulhof zu pflegen, Klassenzimmer und Tafeln zu reinigen und hat bereits zwei Klassenzimmer neu gestrichen. Bei Schulfesten wie der Schulabgangsfeier sorgt die PTA für den festlichen Rahmen.

Besuch im November 2018

Am 14. November 2018 besuchten wir erneut die Sewraschule. Etwas geknickt eröffneten uns die Schulleiterin Azieb und der Vertreter des PTA, Binjam, dass die Fabrik mit der Herstellung der Fenster und Türen leider im Verzug sei – der Betriebsleiter der „Sembel Metal und Woodwork Factory“ uns aber gerne zu einem Besuch in der Fabrik einladen wolle. Gesagt, getan.

Mit Vertretern der Schule und der PTA besuchten wir am folgenden Tag die Fabrik am Rande der Hauptstadt Asmara. Der Betriebsleiter führte uns durch die Produktion. Es war ein eindrückliches Erlebnis, wie freundlich und entgegenkommend nicht nur der Betriebsleiter, sondern auch die Beschäftigten die Besucher empfingen. Wir konnten den gesamten Produktionsablauf besichtigen – der technische Stand der maschinellen Ausstattung lag geschätzt auf dem Niveau der 60er Jahre: Viel Handarbeit, keine automatisierten Abläufe in der Produktion. Die Besichtigung der Fabrik hat uns darin bestärkt, dass die Entscheidung, an einen lokalen Produzenten zu vergeben, genau richtig war. „Kommende Woche sind wir fertig“, versprach uns der Betriebsleiter – und er hielt sein Wort.

„Türen und Fenster sind da!“

Zwei Tage vor unserer Rückreise, fast auf den Tag genau eine Woche nach dem Besuch in der Fabrik kam der Anruf von der Schulleitung: „Kommt vorbei, alle Türen und Fenster sind angekommen…“. Als wir in der Schule ankamen wurden wir von Schulleitung und Schülern freudig empfangen.

Fenster und Türen waren an Ort und Stelle und die Freude bei den Schülern kannte keine Grenzen. Eigentlich wollten wir nur ein paar Fotos schießen um zu dokumentieren, dass alles an Ort und Stelle ist. Das war kaum möglich, weil Trauben von Kindern sich darum drängten mit auf das Foto von den neuen Türen und Fenstern zu kommen – mit dem Resultat, dass man auf den Bildern vor lauter Kinder fast keine Fenster mehr sieht…

Groß ist die Freude bei den Schulkindern und jeder will natürlich mit auf das Foto

Zum Abschluss des Besuches gab es noch eine Überraschung für uns. Im Büro der Schulleitung präsentierte uns der Vertreter der PTA, Binjam, die Rechnung der Fabrik: Gegenüber dem Kostenvoranschlag war die Produktion um 28 700 Nakfa (rund 1700 Euro) günstiger. „Das reicht um so viel Farbe zu beschaffen, dass wir nach dem Einbau der neuen Fenster und Türen alle sechs Klassenzimmer neu streichen können“, freute er sich.

In den kommenden Wochen werden die Eltern der SchülerInnen und die Lehrer unter Anleitung eines Fachmanns die neuen Fenster einbauen – und danach zu Farbrolle und Pinsel greifen um die Klassenzimmer auf Vordermann zu bringen – damit die Kinder der Sewraschule wieder ein gesundes und schönes Lernumfeld haben.

Fenster und Türen sind eingebaut
Das Schulgebäude ist frisch gestrichen

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