Eritreas Geschichte

Frühzeit

Aus ägyptischen Inschriften und Forschungsergebnissen lässt sich ein Königreich ab ca. 2500 v.Chr. an der Küste des Roten Meeres mit dem Namen „Land von Punt“ erklären. Es erstreckte sich über Teile des heutigen Eritrea, Sudan, Djibouti, hatte Handelsverbindungen nach Ägypten, Phönizien und später Griechenland. Ungefähr 1000 v.Chr. überquerten semitische Sabäer aus Südarabien das Rote Meer, um sich zuerst auf den Dahlak Inseln und folgend an der Küste und dem Hochland sesshaft zu machen. Unter der Dynastie der Da’amat vereinigten sich die gegründeten Siedlungen um das 8.Jh. v.Chr.

Aksumitisches Zeitalter

Im Periplus Maris Erythraei (lateinisch „Küstenbefahrung des Roten Meeres“) wird Aksum erstmals erwähnt. Das im 1. Jh. n.Chr. entstehende Königreich herrschte in Abessinien, Yemen und Sudan bis ins 7. Jh. Seine Macht und Einfluss zeigten die Könige von Axum auch durch die Errichtung von Stelen, die heute noch zu sehen sind. Das Ge‘ez Alphabet entwickelte eine Umgangssprache in der Gesellschaft, Schriften wurden verfasst und die monetäre Bezahlung eingeführt. Auf der Höhe seiner Macht im 4.Jh.n.Chr. konvertierte der damalige König Ezana durch syrische Missionare zum Christentum, welches sich bis zum 5.-6- Jh. im ganzen Aksum Reich durchsetzte. Wenn das eritreischen Kernland je zu einem größeren Reich gehörte, so zum Königreich von Aksum. Der Niedergang von Aksum’s Herrschaft wurde durch die Eroberung Arabiens durch die Perser, der Expansion der Muslime in den Mittleren Osten und auf die Küstenregion des Roten Meeres ausgelöst.Kuschitische/hamitische Volksstämme aus dem Nordosten Afrikas wanderten im 8.Jh. bis in das heutige Eritrea. Die Beja gründeten fünf unabhängige Königreiche vom Süden Ägyptens bis Eritrea. Ihre Rivalität untereinander und andauernde Kriege führten zum Zerfall des Beja- Reiches Ende des 14. Jahrhunderts.

Islamische Einflüsse

entwickelten sich zum Teil parallel. Handel und deren Routen waren die Ursachen des Erstarkens des Islam. Um 610 begann der Prophet Mohammed den Islam in Arabien zu predigen. Verfolgung und Repressionen zwangen seine Weggefährten, die Sahaba, über das Meer zu fliehen. So etablierte sich auch der Islam in Eritrea. Anfang 8. Jh. annektierten Araber Dahlak -Inseln und errichteten bis in das 13 Jh. ihr eigenes Sultanat Dahlak.

Im Südosten des Großreiches Abessinien erstarkte das islamische Königreich der Adal, die mit Hilfe der Osmanischen Türken 1529 das christlich- orthodoxe Amhara zerstörten und ganz Südabessinien überrannten. 6 Jahre später herrschte Imam Achmed Gragn nach schweren Kämpfen auch über den Norden und dem heutigen Eritrea.

Die damaligen Herrscher Abessiniens nutzten die Rivalität zwischen Osmanen und Portugiesen um geopolitische Interessen am Roten Meer und vernichteten schließlich nach verlustreichen Schlachten mit wechselnden Bündnissen 1543 die Herrschaft von Adal, wobei sich die Portugiesen in Massawa versuchten fest zu setzen.

Medri Bahri

Um 1400 wurde Eritrea bekannt als Medri Bahri, Land am Meer, regiert von einem Bahri Negassi, König des Meeres. Hauptsitz des Reiches war Debarwa im nördlichen Hochland.                                                                                                                                                                                                                                                 In ihrem Expansionstreben besetzten 1557 Osmanische Türken Massawa und Umgebung, versuchten in das Hochland vor zu dringen, scheiterten aber zunächst.                                                                                                                                                                                                                                                     Feindschaften gegen den Abessinischen König führten Bahri Negassi Issak dazu Allianzen mit den Türken und Herrschern Abessiniens zu stricken, was 1578 in seiner Niederlage endete.                                                                                                                                                                                                                                1589 übergaben die Osmanischen Türken die Herrschaft am Roten Meer an lokale Fürsten, die Naibs, Statthalter der Osmanen. Dies sicherte ihnen die Kontrolle über Massawa und das Hinterland für die nächsten 300 Jahre.                                                                                                                                                     Die Herrschaft des Medri Bahri schwand im Laufe des 17.-18. Jh. zunehmend unter den ständigen Konflikten lokaler Mächte im Hoch- und Tiefland.               Die „Era der Prinzen“ (Zemene Mesafint) in Abessinien löste eine Welle von Machtwechsel unter verschiedenen „war Lords“ aus und spaltete das Reich bis in das 19.Jahrhundert. Medri Bahri konnte die Expansion der Feudalherrscher nicht aufhalten.                                                                                                          Ägypten, dieser Zeit Teil des Osmanischen Reiches, vernichtete die Fung Dynastie und vereinnahmten 1821 Sudan. Der ägyptische Khediven-Staat übernahm die Herrschaft in der Hafenstadt Massawa. Mehrere Versuche, das Hochland ein zu nehmen, scheiterten am Widerstand Abessiniens und führte zum Rückzug an das Rote Meer. Die „Mahdi“ Bewegung in Sudan zwang Ägypten zum Rückzug aus besetzten Gebieten.

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Italienische Kolonie Eritrea

In der zweiten Hälfte des 19-Jh. war der „scamble for Africa“, der Wettlauf um Kolonien für europäische Mächte in vollem Gange.                                             Unter der Vermittlung des italienischen Mönchs G.Sapetto kaufte die italienische Reederei Rubattino den lokalen Sultanen ein Gebiet in der Bucht von Assab ab. Von 1870 -1879 wurde vom Italienischen Königreich neues Land erworben und zur „Colonia Asab“ erklärt. 1885 hatte Italien Massawa eingenommen, 1889 Asmara. Im selben Jahr kam es zum „Vertrag von Ucciali“ mit dem abessinischen Kaiser Menelik, der die italienische Besetzung vertraglich absicherte. Am 1. Januar 1890 verkündete Italien seine erste Kolonie in Afrika: Eritrea.                                                                                                                                                           Eritrea wurde zum Siedlungsland für arme Süditaliener ausgebaut. Aber aufgrund des zunehmenden Widerstandes der Bauern musste der Landraub 1926 gestoppt werden. Der Zustrom stieg bis Ende der 30er Jahre auf über 70.000 Einwanderer an. Enteignete Bauern wanderten in die Städte ab, wurden billige Arbeitskräfte für die Leichtindustrie, die Plantagenbesitzer und für die Bauindustrie. Der Städtebau italienischen Stils entwickelte sich rasant.                            Mit der faschistischen Übernahme Italiens Mitte der 20er Jahre durch Mussolini verstärkte sich das rassistische Antlitz des Kolonialismus in Eritrea. Aber auch der Widerstand dagegen. In dieser Zeit entwickelte sich die nationale Identität und allmählich ein nationales Selbstbewusstsein.                                   Eritrea wurde militärstrategisch als Sprungbrett für den Überfall auf das benachbarte Abessinien ausgebaut.

Als 1935 Italien Abessinien angriff, waren 60.000 Eritreer (Askaris) in die Kolonialarmee rekrutiert. Mit allen Mittel verfolgten die Faschisten ihr Ziel der Unterwerfung ganz Abessiniens, Somalia und Libyen. Am 9. Mai 1936 verkündete Mussolini die Wiederherstellung des antiken Imperiums. Kaiser Haile Selassie ging ins Exil nach London.

Britisches Protektorat

Großbritannien übernahm während des 2. Weltkrieges 1941 die Führung der Kolonie. Eritrea war wirtschaftlich hoch entwickelt. 5000 Betriebe waren aktiv, 850 km Straßen waren gebaut, und eine 255 km lange Bahnlinie verband die Küste mit dem Hochland und westlichen Tiefland. Die Briten demontierten Maschinenparks und technische- und Kommunikationseinrichtungen, sowie die längste Kabelbahn Afrikas, die Massawa mit Asmara verband. Das Meiste wurde auf den subindischen Kontinent oder andere britische Kolonien verbracht. Die Verwaltung wurde den Italienern nicht abgenommen, so wenig wie die Gesetzgebung, außer den Rassengesetzen der Faschisten.

In den 40er Jahren hatte Eritrea eine beachtliche Arbeiterklasse mit Gewerkschaften sowie eine ausgeprägte städtische Intelligenz entwickelt. Bis 1950 hatten sich unter der eritreischen Bevölkerung zwei politische Gruppierungen gebildet. Die Unionisten für die Angliederung an Äthiopien, die Liberal Progressive Partei dagegen.Der „Independence bloc“ hatte laut US Botschaft und britischen Erhebungen die Mehrheit.

Das UNO Diktat

Weil sich die Siegermächte nicht über die Zukunft Eritreas einigen konnten, wurde eine Untersuchungskommission beauftragt. Deren Mitglieder selbst waren gespalten und fanden keine überwiegende Lösung.                                                                                                                                                                                           Die UNO Vollversammlung entschied sich im Dezember 1950 für eine Föderation mit dem autokratischen Äthiopischen Kaiserreich Haile Selassies.              1952 wurden in Eritrea Wahlen durchgeführt und eine demokratische Verfassung ratifiziert.

Von der Föderation zur Annektion

Den offensichtlichen Widerspruch zwischen den beiden Ländern löste der Kaiser mit der schrittweisen Aushöhlung und Abschaffung der von der UNO garantierten Rechte. Schon bald wurden die politischen Parteien verboten. Industrieanlagen wurden nach Äthiopien verlegt. Die freie Presse wurde wie auch die Gewerkschaften aufgelöst. Amharisch wurde als Amtssprache eingeführt. Nach Massenprotesten und Generalstreiks wurde die eritreische Regierung durch eine Verwaltung ersetzt. Tausende wurden verhaftet. Handel und Häfen wurden beschlagnahmt.                                                                                            1958 gründete sich die Eritreische Befreiungsbewegung ELM.

Im November 1962 besetzte äthiopisches Militär alle wichtigen Städte und Eritrea wurde offiziell als 14. Provinz Äthiopiens völkerrechtswidrig annektiert. Die UNO war tatenlos, Ausdruck der Interessenlage im Kalten Krieg.

Dies führte zum 30-jährigen Unabhängigkeitskampf des eritreischen Volkes.

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