Besuch bei einer Weberin die in einem BIDHO Webprojekt ausgebildet wurde

„Ich kann jetzt für mich selbst sorgen“

Vor fünf Jahren war die heute 40-jährige B. Z.* noch einfache Hausfrau. Ihr Mann, wie sie HIV-positiv, konnte die Familie mit der heute 15-jährigen Tochter durch seine Arbeit mehr schlecht als recht versorgen. Doch dann, mit zunehmenden Krankheitssymptomen fiel der Haupternährer der Familie aus. Mit kleinen Nebenjobs besserte B das schmäler werdende Familieneinkommen auf. Die Familie konnte sich gerade so „über Wasser“ halten. 2013 bewarb sie sich dann, um an einem von BIDHO organisierten Webkurs teilzunehmen. Seit gut 5 Jahren steht sie mit ihrer kleinen Weberei auf eigenen Beinen – und ist jetzt diejenige, die für den Unterhalt der Familie sorgt.

Sehr schnell konnte sich die Frau, die mit flinken Fingern und einem Gespür für ansprechende Webarbeiten sehr schöne und qualitativ hochwertige Kleider und Halstücher (Netsela) produziert, einen festen Kundenstamm schaffen. „Die Geschäfte laufen sehr gut“, freut sich B. – wenngleich sie auch nach der Grenzöffnung zu Äthiopien Mitte 2018 einen kleinen Einbruch zu verkraften hatte. Denn plötzlich war der eritreische Markt für in Äthiopien industriell hergestellte Webarbeiten offen. Eine Netsela aus Äthiopien kostet nur rund 250 Nakfa, die traditionell in Handarbeit gefertigte bunt bestickten Netsela (Schal und Kopfbedeckung) konnte sie vorher für 1000 Nakfa verkaufen. „Das hat sich heute wieder geändert“, erzählt sie. Denn die Käufer hätten bemerkt, dass ihre handgefertigte Ware hochwertiger und qualitativ besser als die Industrieware aus Äthiopien sei, berichtet sie. Außerdem fertigt sie hochwertige Kleider und Netsela auch nach den besonderen Wünschen und Vorstellungen ihrer Kunden an und hat sich in ihrem kleinen Laden auch für eine neue Geschäftsnische geöffnet. So vermietet sie jetzt beispielsweise schöne traditionelle Hochzeitskleidung für 150 Nakfa am Tag. „Das Geschäft läuft“, sagt sie und dabei huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Auf ihre Geschäftsidee mit der Vermietung von Hochzeits- und Festtagskleidern ist sie mit Recht stolz, hat sie damit doch allem Anschein nach einer Marktlücke entdeckt, mit der sich gut Geld verdienen lässt.

Auf die Frage, was ihr der Webkurs gebracht hat und wie sich ihr Leben dadurch verändert hat antwortet sie etwas zurückhaltend und schüchtern, aber doch stolz: „Wir haben genug zum Essen, können die Miete für die Wohnung und meinen Laden zahlen und meine Tochter besucht die St. Mary-Schule. Unser Leben hat sich zum Guten gewendet.“ Wenn man bedenkt, dass die St Mary-Schule eine Privatschule ist, die rund 2600 Nakfa Schulgeld im Jahr kostet, dann kann man getrost sagen, dass B. und ihre Familie heute zu jenen Menschen in Eritrea gehören, die sich Dank der Ausbildung durch BIDHO ein bisschen mehr leisten können als das tägliche Brot und ein Dach über dem Kopf.

*Der volle Name der Frau wird aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht genannt, aus diesen Gründen ist das Gesicht der Frau auch verpixelt.

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