Projektbericht “Webprojekt Keren”

Weben für ein besseres Leben

Seit Januar dieses Jahres haben 15 HIV-positive Frauen in Keren, der zweitgrößten Stadt Eritreas, eine neue Lebensperspektive erhalten: Sie lernen in einem Kurs die Kunst des Webens. Die eritreische HIV-Selbsthilfeorganisation BIDHO, Partner von EHD, führt das sechsmonatige Projekt durch. Nach der Ausbildung können die Frauen mit ihrer Hände Arbeit sich und ihre Familien selbst ernähren.

Fast alle der Frauen haben sich in den vergangenen Jahren als Tagelöhnerinnen durchgekämpft. So zum Beispiel die 34-jährige Mlashu Stifanos, die fünf Kinder zu versorgen hat. Sie verkaufte als Zwischenhändlerin Gemüse auf dem Markt. Wenn es gut lief, verdiente sie dabei zwischen 20 und 30 Nakfa (ungefähr zwei Franken) am Tag. „Mit diesem Einkommen kamen wir mit halbleerem Magen durch den Tag“, erzählt sie. Als ich von BIDHO gefragt wurde, ob ich Interesse an der Ausbildung zur Weberin habe „war ich so glücklich, weil die Ausbildung für mich bedeutet gute handwerkliche Fähigkeiten zu lernen. Ich kann leichter ein Einkommen erzielen und meine Kinder und mich besser ernähren.“ Denn die kunstvoll gewebten Schals und traditionellen Kleider sind im Land sehr begehrt und lassen sich zu einem guten Preis verkaufen. Mit viel Freude und Schwung gingen die 15 Frauen unter der Anleitung von zwei erfahrenen Weberinnen ans Werk. Kettfäden wurden ausgekocht und die Webstühle vorbereitet. Doch dann kam Corona und der Lockdown.

„Wir wurden nach Hause geschickt“

„Als uns gesagt wurde, dass die Ausbildung gestoppt wird und wir zuhause bleiben müssen bis Corona unter Kontrolle ist, habe ich sehr große Angst gehabt,“ erzählt Freweini Teshome. Nicht nur für Mlashu und Freweini, für alle Frauen brach die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zusammen. Alle Kursteilnehmerinnen hatten für den Webkurs ihre Arbeit aufgegeben! „Wir alle wussten nicht, wie wir denn mit unseren Familien überleben sollen, wenn die Ausbildungsvergütung von 400 Nakfa (25 Euro) monatlich plötzlich nicht mehr gezahlt wird“, berichtet Mlashu von bangen Tagen der Unsicherheit.

Unbürokratische Hilfe war gefragt

Als das EHD von dieser Situation erfuhr war ganz schnell klar: Wir lassen die Frauen in dieser kritischen und existenzbedrohenden Lage nicht allein. Rasch wurde mit BIDHO vereinbart, dass Löhne und die Ausbildungsvergütungen während des Lockdowns weiterbezahlt werden – auch wenn das Projekt etwas teurer wird. „Als uns das mitgeteilt wurde“, berichtet Mlashu, „habe ich wieder Licht am Ende des Tunnels gesehen. Das war für uns alle sehr wichtig – es hat uns auch moralisch in dieser schweren Zeit sehr geholfen“. Drei lange Monate war das Projekt gestoppt. Erst im August ging es mit der Ausbildung weiter. Der Lockdown sei deprimierend gewesen, erzählt sie. „Dank EHD und BIDHO haben wir und unsere Familien auch diese Zeit gut überstanden“.

Farbenfrohe Stoffe werden gewebt

Seit mehreren Monaten wird nun wieder gewebt. »Die Frauen sind mit großem Eifer dabei, arbeiten hart und machen gute Fortschritte«, bescheinigt Senait Mehari, die als eine von zwei Ausbilderinnen den Kurs betreut, den 15 Frauen. Mittlerweile haben die Auszubildenden je drei Schals gewebt, die sie voller Stolz an ihren Webstühlen präsentieren. So sind jetzt also die ersten Produkte entstanden, die sich auf dem Markt verkaufen lassen. Dieses erste kleine Erfolgserlebnis spornt die Frauen natürlich an und Amar Mohammed, der lokale Leiter von BIDHO in Keren ist sich sicher: „dass alle Teilnehmerinnen ihre Ausbildung abschließen und anschließend ihr Geschäft betreiben können“. Dieses Ziel hat Freweini ganz fest vor Augen: „Ich weiß dass eine gute Weberin mindestens 1500 Nakfa im Monat verdienen kann. Das wird mir helfen, die Ausbildung meiner Kinder zu sichern. Auch unsere Ernährung wird sich verbessern. Dann kommt neben Brot und Kichererbsenbrei auch mal Gemüse oder Fleisch auf den Teller“, sagt sie und gibt uns im Namen der Frauen in Keren mit auf den Weg: „Sagt allen Dank die uns unterstützen. Mit dem Webkurs haben wir hier die einmalige Chance unser Leben zu verändern. Wir werden sie nutzen“.  

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